- Ein Skeptischer Blog -
22. März 2012 by Daniel Taggeselle

Traunsteiner Homoöpathie Schule “Ein medizinische Standbein, das wir im Landkreis noch brauchen”

Vergangen Dienstag wurde einstimmig über die Errichtung der “Hochschule” für Homöopathie in Traunstein entschieden. Unter den insgesamt 14 Mitgliedern des Landrates gab es leider keine Stimme der Vernunft. Mehr noch, es ist zu befürchten das die sogenannte Hochschule direkt vom Land finanziert wird.

Der offensichtliche Mangel bzw. das aktive ignorieren sämtlicher Fakten zum Thema Homoöpathie von Seiten des Landtags ist nicht verständlich. Das eine derart wiederlegte Pseudowissenschaft mit Steuergeldern finanziert und als Glücksfall – und dringend benötigtes medizinsches Standbein – bezeichnet wird lässt tief blicken. Die Signalwirkung ist verherrend und beschämend zugleich. Hier soll ein Geschäftsmodell etabliert werden welches eine direkte Gefährdung darstellt. Wir leben in einer Welt die auf Wisschenschaft und Technik beruht. Wir leben nach Minuten, legen unsere Strecken in Kilometer zurück, wiegen in Kilogramm und messen in Grad. Unser Leben fusst auf den Errungenschaften des wisschenschaftlichen und technischen Fortschritts, auch dem der medizinischen Wissenschaft. Heute werden Herzen, Lungen, sogar die Netzhaut des Auges transplantiert. Noch vor wenigen Jahren lag die Sterblichkeit von Menschen die sich mit dem HI Virus infiziert hatten deutlich niedriger als heute.  Was aber passiert in einer Welt die auf solchen Prinzipien aufgebaut ist, in der die Protagonisten aber immer weniger Ahnung von dem haben wie die Welt funktioniert? In der Astrologie, Esoterik und andere pseudowissenschaften das Wissen um das Werkzeug der Wissenschaft immer mehr Verdrängen? philippeserra | philippe-serra.blogspot.com

Wenn immer mehr immer weniger wissen, müssen immer mehr immer mehr glauben. Ob es die kruden Warnungen von Imfgegner oder der Glaube an sogenannte Wunder ist. Da wo es immer mehr “Dinge zwischen Himmel und Erde…” gibt als das diese noch jemand erklären kann, da wo HIV und Aids zum Märchen wird, da hat der Geist der Aufklärung versagt!

Im Fall von Traunstein heisst das konkret einen Rückfall um 200 Jahre, nämlich in eine Zeit als die Medizin noch keine Wissenschaft, sondern Kunst war und in der die Überlebenschancen weitaus besser waren verdünntes Wasser nach Hanemannschen Homöopathiegesetzten zu sich nehmen als beim Aderlass zu sterben. Heute sollte das nicht mehr gelten, wie gesagt, es sollte!

 

Links zum Thema:

Chiemsee Gemseneier
GWUP – Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawisschenschaften e.V.
ULF
Der Freitag
Esowatch

 

 

 

 

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13. März 2012 by Daniel Taggeselle

Florierender Unfug im Beratungsbusiness

Noch immer werde Verfahren wie Schriftbilddeutung oder die Zuordnung von Persönlichkeitsmerkmalen anhand der Gesichtszüge oder der Kopfform als Mittel der Personalauswahl genutzt. Weiterhin grassieren “Tests” die nichteinmal annähernd statistischen Mindeststandards entsprechen und dazu noch von nicht dafür ausgebildeten Personen eingesetzt werde. Die Grafologie, also das Deuten der Handschrift um daraus Charaktereigenschaften abzuleiten, wird – zu urecht – häufig als seriös angesehen. Dabei gilt die

Grafologie neben der Astrologie als das wahrscheinlich am besten wiederlegteste pseudowissenschaftliche Verfahren.

Report Psychologie: Die meisten Personalverantwortlichen besitzen keine psychologische Fachkompetenz

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9. März 2012 by Daniel Taggeselle

Hochschule für Homöopathie in Traunstein « – “wir machen Erfahrungsmedizin, zu viele Fakten wirken da einschüchternd.”

Hochschule für Homöopathie in Traunstein « Die Ausrufer.

Die Homöopathie ist keine sanfte Medizin, sie ist gar keine!
Das vor ca. 200 Jahren von Samuel Hahnemann erfundene Verfahren beruht auf vier Regeln.

  1. Ein Stoff der eine bestimmte Krankheit bei einem gesunden Menschen (Was auch immer das ist: Jemand ohne Schnupfen? Jemand mit zwei Beinen? Jemand mit klaren Augen?!?) auslöst, soll diese bei einem kranken Menschen heilen!
  2. In der Homöpathischen Arzneimittelprüfung nimmt ein gesunder Prüfer (?) dieses Mittel ein und notiert alle beobachtbaren Wirkungen die dieses bei ihm auslöst (wobei es kein einheitliches Vorgehen in dieser “Prüfung” gibt.)
  3. Mittels Homöopathischer Anamnese wird durch Befragen und Beobachten ermittelt welche Symptome der Erkrankte hat und diese dem jeweiligen Stoff zugeordnet.
  4. Dieser Stoff wird jedoch nicht gegeben sondern solange Potenziert (geschüttelt/verdünnt) bis er soooo stark verdünnt ist, das er faktisch nicht mehr vorhanden ist (ab einer Verdünnung von D23, d.h. 10²³ ist laut der Avogadro-Konstante statistisch kein Molekül mehr in der Flüssigkeit nachweissbar.) Laut den Regeln der Homöopathie sind jedoch diejenigen Lösungen am wirksamsten, welche am höchsten verdünnt wurden (sogenannte Hochpotenzen).

Boulinumtoxin – ein Neurotoxin das unter anderem in der Neurologie therapeutische Anwendung findet – wird mit einer Verdünnung von 1:1.600.000 eingesetzt. nach dieser Schwelle übersteigt die Verunreinigung durch die Luft oder durch den genutzten Trägerstoff (Wasser/Alkohol), die Menge des Wirkstoffs in der Lösung.

Um sich dem ganzen von der logischen Seite anzunähern hier ein kleines Gedankenexperiment von Prof. Martin Lambeck (Homöopathie: Wo bleiben die Nobelpreise? GWUP, 17. Mai 2010, abgerufen am 18. November 2011.)

Betrachten wir das häufig verwendete Homöopathikum Belladonna D30. Belladonna heißt auf deutsch Tollkirsche. Das D kommt vom lateinischen Wort für 10. D30 heißt also, dass 30 mal 1:10 verdünnt wurde.
Diese Verdünnung entspricht dem Auflösen eines Zuckerstückchens in einer Wassermenge, die in tausend Erdkugeln Platz hat. Vergleichen Sie das Becken, in dem Gläser gespült werden, mit dem Volumen von tausend Erdkugeln, dann verstehen Sie meinen Satz:

“In keinem Restaurant wird Ihr Glas von den Spuren des vorigen Getränks und des vorigen Trinkers so perfekt befreit wie ein Fläschchen Belladonna D30 von Belladonna. Wo Belladonna D30 draufsteht, ist kein Belladonna drin.”

Wichtig für die Homöopathie sind die Präparate in der Potenz C30, weil nach Hahnemann (§128 Organon) damit die Arzneimittelbilder festgestellt werden. Diese Arzneimittelbilder sind die Grundlage der homöopathischen Therapie. Die Homöopathie steht und fällt also mit der Herstellbarkeit und Wirksamkeit der C30–Präparate. Das C kommt vom lateinischen Wort für 100. C30 heißt, dass 30 mal 1:100 verdünnt wurde. Hier reicht nicht mehr das Wasser in Erdkugeln, hier kann man nur noch mit Milliarden von Galaxien rechnen.

Nachdem wir wissen, dass in einem Hochpotenzhomöopathikum „nichts drin“ ist, stelle ich die umgekehrte Frage: „Was ist drin?“ Was drin ist, sagt das Homöopathische Arzneibuch. Es schreibt vor, dass zum Potenzieren, also Verdünnen mit dazwischen geschaltetem Schütteln, „gereinigtes Wasser“ und „Alkohol“ zu verwenden ist.
Wasser und Alkohol sind aber keineswegs völlig reine Substanzen. In manchen Gebieten enthält Wasser Kalk, in anderen Eisen. Der Alkohol enthält unterschiedliche Nebenbestandteile, je nachdem, ob er aus Roggen, Kartoffeln, Mais, Zuckerrohr usw. hergestellt wurde. Diese Nebenbestandteile werden mitpotenziert. Wie viel Nebenbestandteile enthalten sein dürfen, sagt uns das Europäische Arzneibuch. [1]

Beim „gereinigten Wasser“  darf der Verdampfungsrückstand je 100 ml 1 mg betragen. Das entspricht D5. Außerdem darf gereinigtes Wasser je ml 100 Mikroorganismen enthalten.
Beim Alkohol beträgt der erlaubte Verdampfungsrückstand 2,5 mg je 100 ml. Dazu kommen die flüchtigen Bestandteile. Das Europäische Arzneibuch geht davon aus, dass der Alkohol 16 Nebenbestandteile enthält. Insgesamt darf die Summe der flüchtigen Bestandteile 300 ppm betragen. Das ist mehr als D4.  Das ist kein billiger Schnaps, sondern der Apotheker-Alkohol, mit dem die Homöopathika hergestellt werden.

Der Hersteller wird als Wasser bzw. Alkohol immer die Produkte verwenden, die jeweils am billigsten verfügbar sind. Je nach Marktlage ergeben sich so z.B. „Eisen in Kartoffel“ mit Mikroorganismen aus der Spree oder „Kalk in Zuckerrohr“ mit Mikroorganismen aus der Donau.

Es entstehen also zwei völlig unterschiedliche Präparate, die nur zwei Dinge gemeinsam haben. Es steht Belladonna drauf. Es ist kein Belladonna drin.

Der Alkohol darf 16 Nebenbestandteile enthalten. Ich greife eines heraus, das wir alle kennen, nämlich das hochgiftige Benzol. Der Benzolgehalt darf 2 ppm betragen. Das entspricht D6. Denken wir wieder an Belladonna D30. Dieses enthält also 10^24 mal mehr Benzol als Belladonna. Das Hahnemann – Präparat mit C30 entspricht D60. Da ist dann 10^54 mal mehr Benzol drin als der Stoff, der auf dem Etikett angegeben ist. Aus allem folgt: Hochpotenz-Homöopathika können gar nicht hergestellt werden.

Somit lauten meine falsifizierbare Thesen:

  • Im Hochpotenzbereich kommt es auf den Inhalt der Flasche gar nicht an. Nur das Etikett wirkt auf Arzt und Patient.
  • Alle mit C30 – Präparaten erstellten Arzneimittelbilder und daher auch die darauf beruhenden Therapien sind falsch.

Werden Streukügelchen korrekt nach § 270 Organon hergestellt, sind auch noch die Nebenbestandteile des Milchzuckers und des Fließpapiers enthalten.

Ich lasse alle physikalischen Bedenken weg und nehme an, dass die Homöopathen recht haben: Hier ist zwar kein Belladonna als Materie drin, wohl aber die „Schwingung“ des Belladonna. Dann muss diese Schwingung medizinisch auf den Menschen wirken können.
In der naturwissenschaftlich begründeten Medizin nimmt man an, dass die Medikamente auf der molekularen Ebene wirken. Ein Molekül des Medikaments kommt so nahe an die Moleküle des Körpers heran, dass sich die Materiewellen der Moleküle überlappen und so eine Bindung nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip zustande kommt. Man spricht vom „Andocken an einen Rezeptor“.

Beim Homöopathikum muss das anders sein. Die bekannten Rezeptoren können die Schwingungen des Homöopathikums nicht wahrnehmen, weil sie nur auf Materie ansprechen. Der Mensch muss also irgendwelche Wahrnehmungsorgane für diese Schwingungen besitzen. Ich will sie einfach „Sensoren“ nennen. Derartige Sensoren sind der heutigen Medizin unbekannt. Wenn sie existieren, müssen die Lehrbücher „Physiologie des Menschen“ sowie „Pharmakologie und Toxikologie“ neu geschrieben werden und es ist mindestens je ein Nobelpreis für Physik, Chemie und Medizin fällig.

Unter diesen Gesichtspunkte fällt es schwer den Beschluss der Stadt Traunstein nachzuvollziehen eine solche “Hochschule” zu errichten/errichten zu lassen. Da die Homöopathie es in ihrer 200 Jahre alten Geschichte nicht geschafft hat einen einzigen sauberen Wirksamkeitsnachweis vorzulegen (Die letzte Studie an der Universität Leipzig der Apothekerin Franziska Schmidt, Prof. Wolfgang Süß und Prof. Karen Nieber wurde, aufgrund “methodisch bedingten Messfehler”, zurückgezogen)  lautet meine Frage nicht: “Wirkt sie?” sondern “Wie oft muss man 2+2 rechnen damit es 4 ergibt?”

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8. März 2012 by Daniel Taggeselle

6th World Sceptics Congress

Vom 18. – 20. May findet in Berlin der 6. WSC statt. Am zweiten Tag geht es speziell um die Themen Alternativmedizin und deren Risiken.

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4. März 2012 by Daniel Taggeselle

Hallo Welt!

Hallo und willkommen in meinem Blog BadMedicine,

zuerst will ich mich kurz vorstellen und anschliessend erklären warum ich diesen Blog betreibe und was mich dazu bewogen hat.

Mein Name ist Daniel Taggeselle [taːgeːʃeːllə]. Ich arbeite seit 2006 als Ergotherapeut, habe meine Ausbildung in Freiburg gemacht und kurz vorher einige Semster Informatik an der HAWK Göttingen studiert. Derzeit beschäftige ich mich intensiv mit Biofeedback und arbeite mit diesem Verfahren in der Pneumologie einer Rehabilitationsklinik in Südbayern. Derzeit mit Patienten die das Krankheitsbild VCD aufweisen.

Wie ich zu diesem Blog komme ist einfach! Innerhalb des Medizinischen Bereichs existieren diverse pseudowissenschaftliche Verfahren die für sich in Anspruch nehmen Menschen zu “heilen”. Diese Verfahren und deren Anhängern versuchen sich einer Überprüfung durch Falschaussagen, Lügen oder dreisten Tricksereien zu entziehen. Sie stellen Behauptungen auf die nicht nur Falsch und eine Beleidigung für jedes denkende Individuum sind, sondern sie beeinflussen Menschen die eventuelle nicht die Möglichkeit haben sich dagegen zu schützen. Sei es aus einer Notlage heraus, weil sie etwas schwer erkrankt sind und jede nur denkbare “Hilfe” annehmen oder weil sie nicht die Möglichkeit oder den Zugang zu Informationen haben die ihnen in diesem Moment helfen würden. Jamies Randi, ein bekannter Bühnenmagier und Gegner von Pseudowissenschaften, hat mal gesagt “Nur ein Trickser kann einen Trickser enttarnen”. Nun, ich bin kein Magier oder Trickser, aber den meisten Behauptungen lassen sich nicht nur Studien entgegenhalten, sondern sich auch mit Logik auf die Schliche kommen. Das ist es was ich hier versuchen werde.

Eine Anmerkung zum Skeptizismus: Was bedeutet es Skeptisch zu sein? Das kann verwirrend sein, den es könnte ja auch gemeint sein das ein Alternativmediziner skeptisch gegenüber der Schulmedizin ist (…leider fallen mir keine besseren Begriffe ein, obwohl sie unpassend sind, da sie eine vermeintliche Wahlfreiheit zwischen Möglichkeit A und B suggerieren sollen und diese als Gleichwertig darstellen.) Was heisst überhaupt Skeptisch sein und wer ist Skeptisch? Im Grunde genommen sind wir alle Skeptiker. Ob wir bezweifeln das die Milchschnitte gesund ist, weil soviel Milch darin enthalten ist, oder wir der Faltencreme nicht abnehmen das sie uns 20 Jahre jünger aussehen lässt. Das alles ist Skepsis. Es heisst im Grunde Dinge zu hinterfragen, rausfinden zu wollen warum und wie etwas funktioniert. Es bedeutet aber auch Meinungen zu ändern, Ideen zu verwerfen die sich als Falsch erweisen und es bedeutet Selbstkritisch zu sein. Skeptizismus hat nichts mit Sarkasmus, Überheblichkeit und Beleidigungen zu tun. Phil Plait hat darüber mal gesagt “Dont be a Dick!” Und genau dem möchte ich mich anschliessen.

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